Tagesfahrt am 28. Juli 2018 zum Beetzsee

bei Brandenburg an der Havel bei hochsommerlichen Temperaturen um 32 °C

Jaqueline und Manfred organisierten diese Beetzsee-Tour und hatten beim Ruder Club Havel Brandenburg (RCHB) drei Vierer gebucht. Als wir Nachzügler einige Minuten später als geplant ankommen, liegen bereits zwei Boote im Wasser und wir müssen nur noch einsteigen und losrudern, denn am Steg ist Platz für zwei Vierer und wir benötigen drei. Wir rudern los, warten aber kurz nach dem Ablegen vom Havel-Nebenkanal Näthewinde auf die beiden anderen Boote. Wir liegen bereits auf der Brandenburger Niederhavel im Schatten und überlegen, ob es nicht besser wäre, den ganzen Tag hier im Schatten zu verbringen, als bei 32 ° C auf dem Beetzsee zu rudern. Unsere Überlegungen enden abrupt, denn die beiden anderen Boote kommen um die Ecke gerudert und wir wollen ja auf dem Beetzsee rudern. Auf geht´s.

Bereits an dieser Stelle fahren diverse Hausboote neben, vor und hinter uns. Es ist interessant, die verschiedenen Hausboot-Formationen zu sehen: Boote, die den alten DDR-Charme versprühen, einfache Holz-Hausboote, Hausboote mit integriertem Wohnwagen, Hausboote zum Übernachten, kleine Flöße mit Miniatur-Aufbauten, Designer-Hausboote. In Brandenburg und auf dem Beetzsee gibt es insgesamt 9 Hausboot- und Floß-Verleiher, dies ergibt eine Recherche beim Schreiben dieses Berichts. Zwei dieser Boote fahren direkt vor uns und können in der engen Havel zuerst nicht überholt werden. Das eine macht viel Krach und wir fragen uns, wo denn hier die Entspannung und Entschleunigung sein soll. Einige Stunden später, als wir an der Wendemarke (Möweninsel Buhnenwerder) unserer Beetzsee-Rundreise eine Pause machen, haben auch diese beiden Hausboote 14 km auf dem Beetzsee geschafft. Wir sind aber viel schneller, leiser, bereits auf dem Rückweg und haben zwischendurch viele kleine Pausen gemacht.

Nun zurück zu unserer Tour: wir rudern zuerst auf dem kleinen Beetzsee und überqueren den Silo-Kanal, an dem wir auf der Steuerbord-Seite die Brandenburger Vorstadt-Schleuse sehen können. Keine Berufsschifffahrt ist in Sicht, wir rudern geradeaus weiter und sind schon auf dem „großen“ Beetzsee. Bei km 1 beginnt die Brandenburger Regattastrecke. Aus unserer Sicht ist das so, aber im Grunde genommen ist es andersherum, denn wir sehen zuerst den Zielturm, dann die Tribünen, das Albano-System und die einzelnen 500m-Positionsmarken der Regattastrecke.

Die Regattastrecke Beetzsee ist eine moderne Naturregattastrecke, die seit 1969 existiert. Nach der Wende bzw. seit Mitte der neunziger Jahre wurden Schritt-für-Schritt viele Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, sodass sie in den letzten Jahren oft Austragungsort großer nationaler und internationaler Titelkämpfe war. U. a. fanden hier 2008 die U23 Weltmeisterschaften im Rudern, 2016 die Ruder-EM sowie diverse Kanu-Meisterschaften statt. (Quelle: Homepage der Stadt Brandenburg; Regattastrecke Beetzsee, dort finden sich weitere Infos).

Etwas Besonderes ist die Video-Anzeigetafel, die mitten im See steht. Hier können auf 64 m² Bild­schirmfläche von jedem Sitzplatz der Tribüne aus alle Phasen des Rennverlaufes, die Zwischenzeiten und die Ergebnispräsentation verfolgt werden. Interessant ist vor allem, dass in der Vorbereitung zur U23-Ruder WM im Sommer 2008 die Anzahl der Bahnen erweitert werden konnte und die vorgelagerte Insel „Hünensteg“ um 27 m verschoben wurde.

Wir schaffen die 2000 m in unserer Zeit und rudern weiter geradeaus bis km 6. Dort macht der Beetzsee den ersten Knick, nachdem es vorher nur geradeaus ging. Wir suchen schon jetzt nach einem Platz zum Anlegen für die Rückfahrt, denn wir wollen in Radewege am nördlichen Teil des Sees pausieren. Eine Badestelle erweist sich zum Anlegen als ungeeignet, da hoher Badebetrieb herrscht und der Wind das Anlegen erschwert. An der vorgelagerten Bucht des Restaurants können wir mit den Ruderbooten auch nicht anlegen, da dort betoniert wurde. Unser geübter Blick entdeckt eine freie Stelle im Schilf, ca. zwei Meter breit, dass müsste passen, wenn wir über Bug aussteigen. Wir merken uns diese Stelle und rudern weiter.

Nach dem ersten Knick kommt die landschaftlich schöne Strecke des Beetzsees. Durch viele kleine Buchten und Krümmungen schlängelt sich der See inmitten des Naturparks Westhavelland. Natur pur. Auf der gesamten Beetzsee-Ruderstrecke unterqueren wir nur zwei Brücken. Die Anzahl der Motorboote lässt merklich nach, besonders idyllisch ist es an „der Sträng“, wo der See einem kleinen Fluss ähnelt und nur Schilf zu sehen ist.

Wir erreichen schließlich die Möweninsel Buhnenwerder. Bei Wikipedia findet sich folgender Eintrag dazu: „Die Insel Buhnenwerder ist eine Insel im zur Stadt Brandenburg an der Havelgehörenden Beetzseegegenüber dem Dorf Lünow. Sie ist seit 1930 als Möweninsel Buhnenwerder als Naturschutzgebietausgewiesen. Auf der Insel befindet sich eine Burgwall genannte leichte Anhöhe. Aufgrund archäologischer Funde sind Teile der Insel als Bodendenkmalausgewiesen“. Nachdem wir Buhnenwerder umrundet haben, benötigen wir in unserem Boot eine etwas längere Pause, denn neben dem obligatorischen Steuermannswechsel müssen wir einiges am Boot reparieren. Am Dollenstift gibt es Probleme, aber unsere Männer an Bord (Micha H. und Peter) haben natürlich das Werkzeug mit, welches auf Wanderfahrten immer benötigt wird. Der dritte Mann an Bord, Micha R. lehnt sich dann weit aus dem Boot heraus und kann alles reparieren. Ein ganz spezielles Werkzeug, dessen Namen ich noch nie gehört habe, ist nicht mit an Bord und deshalb kann eine weitere kleine Reparatur nicht durchgeführt werden. Nun ist alles repariert und einem weiterem Rudern steht nichts im Wege. Die vorhin schon erwähnten beiden Hausboote haben inzwischen auch die Insel erreicht. Zurück geht es wieder durch die herrliche Natur. Auf einem dieser kleinen See-Ausbuchtungen fallen uns zwei Schwimmer auf. Diese beiden paddeln in je einem riesengroßen blauen Schwimmreifen über den See. Als wir ihnen zuwinken, winken sie mit beiden Armen zurück. Dies löst bei uns im Boot die Frage aus, ob diese beiden Schwimmer beim gleichzeitigen Heben ihrer Arme nicht aus dem Gleichgewicht kommen, beim Zurückschauen sind beide noch zu sehen, es bestand keine Gefahr.

In der Fischerhütte Radewege ist ab 14 Uhr für uns reserviert und wir haben den vorhin ausgeguckten Anlegeplatz im Schilf wiedergefunden. Die Ruderer auf den Plätzen 1 und 2 können direkt in den warmen Beetzsee einsteigen, 3 und 4 und der jeweilige Steuermensch müssen durchs Boot klettern. Alle drei Boote ziehen wir auf die gemähte Wiese und laufen zur Fischerhütte. Vier Tische im Schatten warten auf uns. Die äußerst nette Wirtin preist uns ihren selbstgemachten Kartoffelsalat mit Fleischsalat an, den an unserem großen Tisch fast alle bestellen, dazu gibt es eine Fischbulette.

So gestärkt und ein wenig abgekühlt bringen wir die Boote wieder ins Wasser und haben noch sechs Kilometer gerader Strecke auf dem Beetzsee und ca 1,5 km durch die Niederhavel vor uns.

Vor dem Passieren der Regattastrecke müssen wir an einer ausgeschilderten Wasserskistrecke vorbei. Auf dem Hinweg gab es dort kein einziges Motorboot, auf der Rückfahrt herrscht dort Hochbetrieb und uns nerven die Wellen dieser Motorboote. Ob Motorboote, die an einer Leine Schlauchringe mit ihren Kindern hinterherziehen, Wasserski betreiben, können wir nicht klären. Wellen machen sie trotzdem.

An der verschobenen Insel Hünensteg ankern diverse Boote, auch liegen einige Kanus auf dem Sandstrand. Wir lassen die Insel steuerbords liegen und verwerfen den Gedanken, im Albano-System zu rudern, denn es wäre ein kleiner Umweg. Bei 32 ° Grad C machen wir keine freiwilligen Umwege und rudern weiter zum RCHB.

An Land werden alle Boote gereinigt, eine weitere Reparatur erledigt und der Betreuer einer Jugend-Kanu-Gruppe, die gerade zum Schwimmen von Steg gesprungen ist, macht das obligatorische Gruppenfoto von uns. Den dunklen Gewitterwolken, die über das Havelland nach Berlin ziehen, fahren wir auf dem Rückweg voraus. Uns erreichen sie mit Gewitter, ein wenig Sturm und Regen erst als wir wieder zuhause sind.

Alle dreizehn Arkonen (Vera, Bernd Sk., Kai-Uwe, Inge und Micha, Claudia und Peter, Micha R., Ingrid und Sebastian, Annemarie, Hans-Joachim und Robert) danken Manfred und Jaqueline für die Organisation dieser Fahrt und freuen sich auf weitere Touren.

CdH

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